MANESSE

Jerome K. Jerome

Drei Mann in einem Boot. Ganz zu schweigen vom Hund!

Die Mutter aller Männerausflüge

Mit seiner Schilderung eines Campingurlaubs der drei Freunde George, Harris und J. und ihres Hunds Montmorency schuf Jerome K. Jerome 1889 einen der berühmtesten Klassiker britischen Humors. Dass ihr sympathischer, wenn auch sinnloser Kampf gegen die Tücken des Objekts heute so komisch ist wie eh und je, beweist Gisbert Haefs in seiner beschwingten Neuübersetzung.

Eine Bootsfahrt auf der Themse! Zu Zeiten von Königin Viktoria war das der Inbegriff des Ferienglücks. Auch unsere drei Freunde rudern auf der Suche nach Natur und Erholung zwölf Tage lang flussaufwärts: von Kingston nach Maidenhead, Marlow, Dorchester, Reading und Oxford – und dabei von einer Panne zur nächsten. Nichts kann die Freunde aus der Fassung bringen, sämtliche Missgeschicke, trocken serviert von Erzähler J., wissen sie mit Stil und Witz zu ertragen. Die Gentlemen trösten sich mit der reizvollen Atmosphäre der Themsestädtchen (und in deren Kneipen), bis der Regen sie vorzeitig in die Zivilisation Londons zurückspült.

Gebundenes Buch, 384 Seiten, ISBN: 978-3-7175-2440-3

Leseprobe

Endlich kam eine leere Droschke vorbei (es ist eine Straße, wo normalerweise – gerade wenn sie nicht gebraucht werden – drei Droschken pro Minute auftauchen, herumtrödeln und einen behindern), und indem wir uns und unsere Habseligkeiten hineinstopften und ein paar von Montmorencys Freunden hinauswarfen, die offenbar geschworen hatten, ihn niemals zu verlassen, fuhren wir unter dem Jubel der Menge los, und Biggs’ Laufbursche warf uns eine Karotte als Glücksbringer hinterher.

Um elf Uhr erreichten wir Waterloo Station und erkundigten uns, wo denn der 11:05-Uhr-Zug abführe. Natürlich wusste das niemand; in Waterloo Station weiß niemand je, wo ein Zug abfährt oder, wenn er denn abfährt, wo er hinfährt, oder sonst etwas. Der Gepäckträger, der unsere Sachen nahm, meinte, er fahre wohl von Gleis 2, während ein anderer Gepäckträger, mit dem er die Frage debattierte, gerüchteweise gehört hatte, er führe von Gleis 1. Der Bahnhofsvorsteher seinerseits war überzeugt, dass er vom Nahverkehrsgleis fahren würde.

Um der Sache ein Ende zu bereiten, gingen wir nach oben und fragten den Fahrdienstleiter, und der sagte uns, er habe eben einen Mann getroffen, der gesagt habe, er hätte ihn an Bahnsteig 3 gesehen. Wir gingen zu Bahnsteig 3, aber die dortigen Herrschaften sagten, sie hielten das eher für den Express nach Southampton oder vielleicht die Windsor-Rundfahrt. Sie seien aber sicher, dass es nicht der Zug nach Kingston sei; allerdings konnten sie uns nicht sagen, warum sie da so sicher waren.

Dann sagte unser Gepäckträger, er glaube, der Zug müsse von der oberen Ebene abfahren; er sagte, er glaube den Zug zu kennen. Also gingen wir auf den Bahnsteig der oberen Ebene, fanden den Lokomotivführer und fragten ihn, ob er nach Kingston fahre. Er sagte, das könne er natürlich nicht mit Gewissheit behaupten, er glaube es aber schon. Jedenfalls, sagte er, wenn es nicht der 11:05 nach Kingston sei, dann sei es ziemlich sicher entweder der 9:32 nach Virginia Water oder der 10-Uhr-Express zur Insel Wight oder irgendwo in diese Richtung, und wir würden es genau wissen, sobald wir dort ankämen. Wir drückten ihm eine halbe Crown in die Hand und baten ihn, der 11:05 nach Kingston zu sein.

«Auf dieser Strecke wird niemand je erfahren», sagten wir, «was für ein Zug Sie sind oder wohin Sie fahren. Sie kennen den Weg; brechen «Tja, ich weiß nicht, Leute», antwortete der noble Kerl, «aber ich nehme an, irgendein Zug muss wohl nach Kingston fahren; dann mach ich’s eben. Geben Sie mir die halbe Crown.» So kamen wir nach Kingston, mittels der London and South Western Railway.

Später erfuhren wir, dass der Zug, mit dem wir gekommen waren, in Wahrheit der Postzug nach Exeter war, und dass man ihn in Waterloo stundenlang gesucht hatte und keiner wusste, was aus ihm geworden war.

In Kingston, just unter der Brücke, wartete unser Boot auf uns, und wir lenkten unsere Schritte in seine Richtung, türmten unser Gepäck rundherum auf und gingen an Bord. «Alles in Ordnung bei Ihnen, Sir?», sagte der Bootsverleiher.

«Alles klar», antworteten wir, und mit Harris an den Riemen, mir am Steuer und dem unglücklichen und zutiefst argwöhnischen Montmorency im Bug schossen wir hinaus auf die Wasser, die zwei Wochen lang unsere Heimstatt sein sollten.

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